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Deutschland und Frankreich einigen sich auf Lockerung des Verbrenner-Aus 2035 – neue Chancen für Biomethan?

IVECO S-Way an einer Biomethan-Tankstelle.
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Bildquelle: Astra Vehicle Technologies – IVECO S-Way an einer Biomethan-Tankstelle


Deutschland und Frankreich haben sich auf eine gemeinsame Position zur Lockerung der europäischen CO₂ Flottengrenzwerte verständigt. Neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor könnten damit auch nach 2035 zugelassen werden. Für die Erdgas- und Biomethanbranche eröffnet die politische Entwicklung neue Perspektiven, insbesondere mit Blick auf die für 2027 vorgesehene Überprüfung der CO₂ Vorschriften für schwere Nutzfahrzeuge.

  1. Deutsch-französische Einigung: 90 statt 100 Prozent CO₂-Reduktion

    Am 16. Oktober 2026 bestätigten die Regierungen Deutschlands und Frankreichs eine gemeinsame Position zur Zukunft der europäischen Automobilindustrie. Im Mittelpunkt steht die geplante Lockerung der bislang geltenden CO₂-Flottengrenzwerte für neue Pkw.

    Nach der aktuellen EU-Regelung müssen die durchschnittlichen CO₂-Emissionen neuer Pkw ab 2035 gegenüber 2021 um 100 Prozent sinken. Damit wäre die Neuzulassung herkömmlicher Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor faktisch ausgeschlossen.

    Deutschland und Frankreich schlagen nun vor, dieses Reduktionsziel auf 90 Prozent abzusenken. Anders als im bisherigen Vorschlag der EU-Kommission sollen die verbleibenden zehn Prozent nicht durch zusätzliche Maßnahmen ausgeglichen werden müssen.

    Dadurch könnten auch nach 2035 weiterhin neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen werden, sofern die Hersteller die vorgeschriebenen durchschnittlichen CO₂-Flottenwerte einhalten.

    Wichtig: Die deutsch-französische Einigung ist noch kein geltendes EU-Recht. Die endgültige Entscheidung erfordert die Zustimmung der zuständigen europäischen Institutionen.

  2. Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie rückt in den Mittelpunkt

    Hinter der Initiative steht nicht allein die Diskussion über Klimaschutz und Antriebstechnologien. Zunehmend geht es auch um die Zukunft der europäischen Automobilproduktion und die wachsende Konkurrenz durch chinesische Hersteller.

    Deutschland und Frankreich wollen den technologischen Wandel mit einer stärkeren europäischen Wertschöpfung verbinden. Dazu gehören Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion sowie widerstandsfähigere Lieferketten.

    Für die europäische Erdgas- und Biomethanwirtschaft ist diese Entwicklung von besonderem Interesse.

    Biomethan kann aus landwirtschaftlichen Reststoffen, Bioabfällen und anderen organischen Ausgangsmaterialien innerhalb Europas erzeugt werden. Als Bio-CNG oder Bio-LNG lässt es sich in entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen einsetzen und über bestehende beziehungsweise angepasste Gasinfrastrukturen bereitstellen.

    Bei nachhaltiger Herstellung kann Biomethan gegenüber fossilen Kraftstoffen erhebliche Treibhausgaseinsparungen erzielen.

  3. Warum Bio-CNG bei der CO₂-Bewertung bislang benachteiligt wird

    Ein wesentlicher Kritikpunkt der Biomethanbranche betrifft die Berechnung der CO₂-Emissionen.

    Die europäischen Flottengrenzwerte orientieren sich grundsätzlich an den direkten CO₂-Emissionen des Fahrzeugs. Dabei wird nicht vollständig berücksichtigt, ob der eingesetzte Kraftstoff fossilen oder erneuerbaren Ursprungs ist.

    Ein mit fossilem Erdgas betriebener Lkw und ein vergleichbarer Lkw, der ausschließlich zertifiziertes Biomethan tankt, verursachen am Auspuff ähnliche CO₂-Emissionen.

    Über den gesamten Kraftstofflebenszyklus kann ihre Treibhausgasbilanz jedoch erheblich voneinander abweichen.

    Gerade bei Biomethan aus Reststoffen und Abfällen entstehen durch die Nutzung erneuerbarer Kohlenstoffkreisläufe deutliche Einsparpotenziale. Diese Vorteile werden bei der derzeitigen fahrzeugbezogenen CO₂-Regulierung nicht entsprechend angerechnet.

  4. Entscheidendes Jahr 2027 für Erdgas-Lkw

    Für schwere Nutzfahrzeuge gelten eigenständige europäische CO₂-Vorschriften.

    Die EU-Verordnung 2024/1610 sieht für die betroffenen neuen schweren Nutzfahrzeuge gegenüber dem Referenzzeitraum 2019 folgende Reduktionsziele vor:

    – 45 Prozent ab 2030 – 65 Prozent ab 2035 – 90 Prozent ab 2040

    Die Zielwerte gelten für die jeweils erfassten Fahrzeuggruppen und Herstellerflotten. Für bestimmte Fahrzeugkategorien bestehen besondere Regelungen.

    Bis zum 31. Dezember 2027 muss die Europäische Kommission die Wirksamkeit und die Auswirkungen der Verordnung überprüfen.

    Dabei soll ausdrücklich auch untersucht werden, welche Rolle erneuerbare Kraftstoffe und ein sogenannter CO₂-Korrekturfaktor beim Übergang zu einer klimaneutralen Mobilität spielen können.

    Für die Hersteller gasbetriebener Nutzfahrzeuge und die europäische Biomethanwirtschaft könnte diese Überprüfung von erheblicher Bedeutung sein.

  5. CO₂-Korrekturfaktor könnte Biomethan besser berücksichtigen

    Der sogenannte Carbon Correction Factor (CCF) ist ein Ansatz, mit dem der Anteil erneuerbarer Kraftstoffe bei der Berechnung der CO₂-Emissionen berücksichtigt werden könnte.

    Die Grundidee: Werden fossile Kraftstoffe durch nachweislich erneuerbare Energieträger ersetzt, soll sich dies auch in der regulatorischen Bewertung der Fahrzeuge widerspiegeln.

    Für mit Bio-CNG oder Bio-LNG betriebene Nutzfahrzeuge könnte ein solcher Mechanismus neue Perspektiven schaffen.

    Ein entsprechender Ansatz wurde bereits während des europäischen Gesetzgebungsverfahrens diskutiert, jedoch nicht als verbindliche Berechnungsmethode eingeführt.

    Die geltende EU-Verordnung sieht nun ausdrücklich vor, die Rolle eines CO₂-Korrekturfaktors im Rahmen der Überprüfung 2027 zu bewerten.

    Eine Einführung ist damit allerdings noch nicht beschlossen.

  6. Neue Perspektiven für Bio-CNG und Bio-LNG

    Die deutsch-französische Verständigung betrifft zunächst die CO₂-Vorgaben für Pkw. Eine unmittelbare Änderung der Vorschriften für schwere Nutzfahrzeuge ergibt sich daraus nicht.

    Politisch könnte die Einigung jedoch den Weg für eine breitere Diskussion über Technologieoffenheit und die Anerkennung erneuerbarer Kraftstoffe ebnen.

    Davon könnten insbesondere europäische Nutzfahrzeughersteller profitieren, die weiterhin auf Gasantriebe setzen. Hersteller wie Iveco, Scania und Volvo verfügen über entsprechende Technologien für den Einsatz von Erdgas und Biomethan.

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