Bivalente Erdgasfahrzeuge
Als bivalent werden Erdgasfahrzeuge bezeichnet, die mit zwei unterschiedlichen Kraftstoffen betrieben werden können – in der Regel mit CNG (Compressed Natural Gas) und Benzin.
Das Fahrzeug verfügt dazu sowohl über Erdgas-Druckbehälter als auch über einen Benzintank. Je nach Fahrzeugkonzept kann der Motor mit Erdgas oder Benzin betrieben werden. Die Umschaltung erfolgt bei serienmäßigen Fahrzeugen normalerweise automatisch über das Motormanagement.
Bivalente Fahrzeuge waren insbesondere in der Zeit sinnvoll, als das Erdgas-Tankstellennetz noch deutlich weniger dicht ausgebaut war. Der zusätzliche Benzintank erhöhte die Reichweite und ermöglichte die Weiterfahrt, wenn keine CNG-Tankstelle erreichbar war.
Serienmäßige bivalente Erdgasfahrzeuge
Bei ab Werk produzierten Erdgasfahrzeugen wurden die CNG-Druckbehälter meistens platzsparend unter dem Fahrzeugboden beziehungsweise im Bereich der Hinterachse integriert. Dadurch blieb der Innenraum weitgehend erhalten.
Viele frühere Erdgasmodelle von Herstellern wie Audi, Fiat, Mercedes-Benz, Opel, SEAT, Škoda oder Volkswagen waren bivalent ausgelegt.
Spätere CNG-Modelle wurden teilweise stärker auf den Erdgasbetrieb optimiert. Bei einigen Fahrzeugen wurde der Benzintank bewusst sehr klein dimensioniert und diente hauptsächlich als Reserve. Solche Fahrzeuge werden häufig als quasi-monovalent bezeichnet.
Neue CNG-Pkw werden in Deutschland derzeit nicht mehr angeboten. Bivalente Erdgasfahrzeuge sind daher heute vor allem auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu finden.
Nachrüstung auf bivalenten Betrieb
Grundsätzlich können geeignete Fahrzeuge mit Ottomotor auf den zusätzlichen Betrieb mit CNG umgerüstet werden. Dabei werden unter anderem Erdgas-Druckbehälter, Hochdruckleitungen, Druckregler, Einblasventile und eine entsprechende Steuerung eingebaut.
Frühere Umrüstungen verwendeten häufig einen oder mehrere Druckbehälter im Kofferraum. Dadurch konnte sich das nutzbare Gepäckraumvolumen verringern. Technisch aufwendigere Lösungen ermöglichten teilweise auch eine Unterflurmontage.
Eine pauschale Preisangabe für eine CNG-Nachrüstung ist heute nicht mehr sinnvoll. Der Markt für Pkw-Nachrüstungen ist inzwischen sehr klein. Kosten und technische Machbarkeit hängen stark vom Fahrzeug, der verfügbaren Anlage und den erforderlichen Zulassungs- und Prüfverfahren ab.
Nachrüstsysteme müssen den geltenden technischen und rechtlichen Vorschriften entsprechen und entsprechend geprüft beziehungsweise genehmigt werden.
Vorteile bivalenter Fahrzeuge
1. Große Gesamtreichweite durch die Kombination aus CNG- und Benzintank
2. Weiterfahrt mit Benzin möglich, wenn keine CNG-Tankstelle erreichbar ist
3. Automatische oder fahrzeugabhängig mögliche Umschaltung zwischen den Kraftstoffen
4. Bei überwiegendem Betrieb mit CNG können gegenüber Benzin geringere Kraftstoffkosten und niedrigere CO₂-Emissionen erreicht werden
Nachteile bivalenter Fahrzeuge
1. Zusätzliches Gewicht durch zwei Kraftstoffsysteme und die CNG-Druckbehälter
2. Bei Nachrüstungen kann Kofferraumvolumen verloren gehen
3. Nachträgliche Umbauten können Auswirkungen auf Herstellergarantie und Gewährleistung haben
4. Ein Motor, der ursprünglich ausschließlich für Benzin entwickelt wurde, kann die Vorteile von Erdgas unter Umständen nicht so konsequent nutzen wie ein speziell auf CNG abgestimmter Motor
5. Das deutsche CNG-Tankstellennetz ist inzwischen rückläufig, wodurch die Alltagstauglichkeit regional eingeschränkt sein kann
Bedeutung heute
Bivalente Erdgasfahrzeuge spielen heute vor allem im vorhandenen Fahrzeugbestand und auf dem Gebrauchtwagenmarkt eine Rolle.
Ihr wesentlicher Vorteil bleibt die hohe Flexibilität: Solange CNG verfügbar ist, kann das Fahrzeug mit Erdgas beziehungsweise Biomethan betrieben werden. Ist keine CNG-Tankstelle erreichbar, steht bei einem bivalenten Fahrzeug zusätzlich Benzin zur Verfügung.
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